
Korsika - einmal mehr

Mare a Mare Centre
Nach Ghisonaccia an der Ostküste, gibt es eine Haltestelle im Nirgendwo, l'Abetesco. Es gibt hier nichts, ausser einer kleinen Abzweigung von der Haupstrasse. Eine Infotafel zeigt uns an, dass hier unser Weg beginnt. Dann gehts los über Serra di Fuimorbo, Catastaghju, Cozzano, Frasseto, Col St-Georges, Coti-Chiavari nach Porto Pollo.
Berge und Täler um Corte
Von Corte westlich durch das Tavignano-Tal zur Segahütte. Dann noch Calaccucia, Albertacce zur Cascade de Radule und weiter zum Col de Vergio. Nun dem GR 20 Richtung Süden am Ninosee vorbei ins Tavignanotal zur Segahütte und Corte.


Zu Fuss, sich Zeit nehmen das steht im Vordergrund unserer Reise nach Korsika. Das beginnt schon mit dem fast zweistündigen Fussmarsch vom Bahnhof Savona zum Hafen Porto Vado. Nun gut, es gibt auch Busse oder Taxis, aber so ein durchwandern einer italienischen Stadt ist schon ein Erlebnis für sich. Unterwegs gibts dann eine feine Pizza in einem Strandrestaurant. So eine Nachtüberfahrt ist praktisch, man kommt früh am Morgen auf der Insel an und kann gleich mit der Weiterreise loslegen.


So sitzten wir um 8 Uhr schon im Bus zu unserem Ausgangspunkt. Unsere Haltestelle l'Abetesco liegt irgendwo im Grünen, es gibt nichts ausser einer kleinen Strasse, die den Beginn unserer Wanderung signalisiert. So erreichen wir am frühen Nachmittag unseren ersten geplanten Etappenort. Gemäss unserm Führer gibt es hier eine Gite d'Etape mit Einkaufsmöglichkeit. Von der Gite ist nur eine Baustelle da und von einer Einkausmöglichkeit keine Spur. So bleibt uns, nach einigen Abklärungen, nur die Wahl zur nächsten Hütte weiter zu wandern. Diese sollten wir noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen.


Vorsichtig geworden, versuchen wir bei der nächsten Hütte anzurufen. Alle Anrufe verlaufen ins Leere. Die Hoffnung ist noch da, heute Abend noch etwas auf den Teller zu bekommen. Da unsere geplante Einkaufsmöglichkeit nicht vorhanden war, haben wir erst wenig Essen im Rucksack. Bei Sonnenuntergang erreichen wir unseren Etappenort. Die Hütte ist wie inzwischen befürchtet, geschlossen und ausser ein paar geschlossenen Häusern, Spielplätzen und Tennisplätzen ist nichts vorhanden. Ein komischer Ort weit ab vom nächsten Dorf. Vor einem Haus finden wir eine Wasserstelle und der Bach hat viele schöne Badegumpen wo wir uns erfrischen können. Zum Glück haben wir Zelt und Kocher dabei. Nur das Schnitzel können wir uns träumen.


Wir steigen zum Col de Laparo auf, wo wir den GR 20 kreuzen. Mit der Einsamkeit, die wir in den vergangenen Tagen spürten, ist nun schlagartig Schluss. Es wird geplaudert und diskutiert, viele GR 20 Wanderer sind unterwegs. Für uns geht es nun runter nach Cozzano und sofort sind wir wieder alleine unterwegs. Eingangs Dorf kommen wir an einer Tankstelle mit grossem Lebensmittelladen vorbei. Endlich können wir unseren Proviant aufstocken. Auf dem Weg zu unserer Unterkunft laufen wir an einem Restaurant vorbei, das am Abend offen hat. Da hüpft das Herz vor Freude.
Am nächsten Morgen regnet es in Strömen und der Wetterbericht verspricht auch keine Besserung. So streichen wir die Bergvariante und nehmen die Strasse nach Zicavo, das wir schon am Mittag erreichen. Unsere Herbergsmutter öffnet uns schon von weitem die Türe und begrüsst uns herzlich. Drinnen wärmt das Feuer im Ofen. Wunderbar.


In unserem Führer lesen wir, dass die Gites in Quasquara zur Zeit geschlossen ist. Unsere Herbergsmutter weis Rat. Ihre Schwiegertochter betreue eine neue Gite in Frasseto, ein Dorf kurz vor Quasquara. Sie werde für uns das organisieren. Am Abend gibt sie uns Bescheid wir hätten ein Bett und auch ein Nachtessen. Perfekt! Am nächsten Tag sind wieder Regenschauer angesagt. Der Weg ist wild und matschig.


Am Nachmittag erreichen wir das kleine Dorf Frasseto. Wie in vielen Bergdörfern scheint die Zeit still zu stehen. Viele Häuser sind verlassen, einge zerfallen andere sind neu renoviert. Unsere Bar, in der wir das Nachtessen bekommen, scheint auch nicht wirklich lebendig, sie ist geschlossen. Hoffen wir, dass sie am Abend öffnet. Gleich nebenan, im Gemeindehaus bekommen wir schöne Zimmer. Unsere Gastgeberin ist pünktlich da und zeigt uns unsere Unterkunft und bestätigt auch unser Nachtessen. Aus dem Ankommensapero wird leider nichts.





So spazieren wir das Dorf rauf und runter und hoffen, dass die Bar bald öffnet. So ein Dorfrundgang ist durchaus spannend, da sind schön herausgeputzte Häuser zu bestaunen, die einen belebt, die anderen geschlossen. Daneben zerfallene Gebäude, da liegt ein ausgeschlachtetes rostiges Auto im Gebüsch, da eine tote überfahrene Sau gleich neben dem Briefkasten. Was die Pöstler hier so alles austragen... (Am späten Abend war die Sau verschwunden. Ob der Pöstler sie wieder abgeholt hat, oder der Metzger vorbei gekommen ist, konnten wir nicht herausfinden.)
Nach halb sieben geht die Bar tatsächlich auf. Wir nehmen an einem der wenigen, nicht mit Sachen belegten Tisch platz. Die Barfrau ist nicht sonderlich an uns interessiert und arbeitet da und dort. Erst als ein Mann in Jägerkluft auftaucht, können wir bestellen. Nun gehts vorwärts. Immer mehr Einheimische kommen und genehmigen sich einen Pastis. Auch eine handvoll Frauen aus dem Dorf mit Schalen und Schüsseln tauchen auf. Aha, da wir unser Nachtessen geliefert. Das Essen ist wunderbar. Die Männer an der Bar beginnen zu rauchen, es ist ihnen anscheinend egal, dass wir am Essen sind. Und so fühle ich mich in die Zeit zurückversetzt, als bei uns noch geraucht wurde im Restaurant. Grauenvoll. So verlassen wir baldmöglichst den rauchigen Ort und machen nochmals einen kurzen Verdauungsspaziergang. Nun bemerken wir eben, dass die Sau verschwunden ist. In unseren Tellern war sie jedenfalls nicht gelandet...


Am nächsten Tag geht es weiter über Hügel, durch Wälder, dichtes Buschwerk und kleinen Dörfern zum Col de Saint Georges. Im einzigen Hotel hier bekommen wir ein Zimmer. Auch den Ankommensapero gibts hier. An der weiss gedeckten Tafel lassen wir uns ein feines Nachtessen servieren.
Am nächsten Tag sind wir früh unterwegs, es ist eine lange Etappe. Die Etappen richten sich nach der Verfügbarkeit der Unterkünfte. Gestern Abend musste Andreas die Besitzerin des einzigen Hotels in Coti Chiavari, mit einem längeren Gespräch überzeugen, dass wir sehr gerne ein Zimmer hätten... Was ihm dann auch gelang (Andreas spricht am besten französisch von uns dreien). So stehen wir also am späteren Nachmittag vor einem in die Jahre gekommenen Haus, das wir als unser Hotel ausmachen. Angeschrieben ist nichts. Per Whatsapp habe ich die Zugangsdaten bekommen. Die Haustüren sind offen und so finden wir auch bald die beschriebene Zimmertür. Auch ein kleines Restaurant ist gleich nebenan und das hat sogar offen. Super!


Heute geht's ans Meer. Durch Macciabüsche und Steineichen steigen wir zur Plage de Cupabia ab. Einige nehmen ein kühles Bad im Meer die anderen einen Kaffee in der Strandbar. Der Campingplatz ist auf den Karten noch eingezeichnet, existiert jedoch nicht mehr. So ziehen wir weiter über Serra di Ferro nach Porto Pollo, wo wir ein Bungalow gleich am Strand bekommen.
Unser Ziel wäre es, über den Mare a Mare Süd zur Ostküste zurück zu wandern. Doch alle Gites d' Etape an dieser Route haben schon geschlossen oder existieren nicht mehr. Dabei haben wir erst Anfang September. So beschliessen wir von Ajaccio mit der Bahn nach Corte zu fahren und von da in die Berge zu ziehen. Zumal sich die Landschaft und Vegetation nicht wesentlich unterscheidet vom Mare a Mare Centre. Von der Besitzerin der Bungalows erfahren wir, dass einmal am Tag ein Bus um halb Sieben am Morgen nach Ajaccio fährt. Den nehmen wir. Pünktlich stehen wir früh am Morgen am beschriebene Abfahrtsort. Der Kleinbus erscheint zur Zeit. Wir sind die einzigen Fahrgäste. Unterwegs steigen noch eine handvoll Einheimische zu. Nach gut zwei Stunden kurviger Fahrt durchs korsische Hinterland erreichen wir Ajaccio. Hier nehmen wir den holperigen in die Jahre gekommenen Zug nach Corte.
Corte - Albertacce - Col de Vergio - Corte
Von Corte durchs Tavignanotal zur Refuge de la Sega


Der Regen prasselt so stark auf das Glasdach von unserem Zimmer, dass ich immer wieder aufwache. Am Morgen durchdringen einzelne Sonnenstrahlen die Wolkendecke, der Regen hat nachgelassen. Durch die wildromantische Tavignanoschlucht steigen wir zur Segahütte auf. Am Nachmittag erreichen wir die Hütte. Gerade rechtzeitig, der Regen setzt wieder ein. Neben uns sind nur noch zwei Franzosen da. Es ist feuchtkühl in der Hütte. Der Ofen sei schon seit drei Jahren kaputt, erzählt die Hüttenwartin. Der Ofenbauer sage er käme jeden Moment vorbei...
Seit wir vor sechs Jahren da waren, hat sich nichts verbessert. Im Aufenthaltsraum stehen Kessel weil das Dach undicht ist. Um die Hütte sind sicher 20 bis 30 Zweierzelte aufgestellt, um die Spitzen der Übernachtungen zu bewältigen, die Juli und August auftreten können. Die Zelte werden Wind und Wetter überlassen und kaum gepflegt. Das Gefühl kommt auf, dass man gerne nimmt aber kaum was investiert.